Von Antje Kerschbaum
Wangen
Der Landwirt Franz Pentenrieder aus Wangen bei
Starnberg wärmt sein Haus neuerdings mit einer
Getreideheizung, die er selbst konstruiert hat. Er
verfeuert Weizen und testet auch den Brennwert von Hafer.
Der Grund: Mahlweizen sei auf dem Markt nur halb soviel
wert wie Sägemehl, sagt Pentenrieder. Alfons Kraus,
Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, gibt Pentenrieder
Recht: In der Tat hat er mehr davon, wenn er den
Weizen verheizt.
Der extreme Preisverfall hat Pentenrieder schon vor einem
Jahr auf die Idee gebracht, Getreide nicht nur als
Nahrungsmittel oder Viehfutter zu verwerten. Der Heizwert
von Weizen sei mit dem von Holz vergleichbar und
zweieinhalb Kilogramm Getreide hätten den gleichen
Heizwert wie ein Liter Heizöl, sagt Pentenrieder.
Selbst das Verbrennen von hochwertigem Weizen sei
wirtschaftlich immer noch lukrativ, weil der momentane
Marktpreis weit unterhalb des Energiewertes liege. Der
Einsatz von Getreide für Heizzwecke sei aber nicht nur
für Getreidebauern interessant, sagt Franz
Pentenrieder, auch die Verbraucher könnten
zukünftig Getreide als Brennstoff nutzen. Getreide sei
problemlos lagerfähig, habe eine hohe
Schüttdichte und eine kleine Körnung. Zudem seien
Pellets, gepresstes Sägemehl, doppelt bis dreifach so
teuer wie Weizen. Und auf den Ölpreis bezogen hat
Pentenrieder ausgerechnet, dass sich das Verheizen von
Getreide ab einem Heizölpreis von 50 Pfennigen
rentieren würde.
Im Sommer dieses Jahres hat Franz Pentenrieder damit
begonnen, seine Idee in die Tat umzusetzen. Er rüstete
seinen alten Holzkessel um und betreibt seither eine
Getreideheizung. Am Anfang hätte er mit seiner Idee,
Weizen zu verbrennen, nur provozieren wollen. Auf Grund der
weltweiten Ernährungsprobleme erschien ihm das Heizen
mit Weizen schon aus ethischen Gründen
nicht unbedenklich. Doch angesichts der Tatsache, dass
deutsche Landwirte durch Richtlinien der EU dazu angehalten
sind, Ackerflächen brach liegen zu lassen, schwand
seine Zurückhaltung.
Der Gedanke, Getreide für den Brennofen zu
produzieren, sei zunächst auch vom Bayerischen
Bauernverband (BBV) anfangs kritisch aufgenommen worden,
erinnert sich Pentenrieder. Inzwischen steht der
Bauernverband Pentenrieders Idee durchaus aufgeschlossen
gegenüber. Mittlerweile wirb der BBV sogar für
neue Verwertungsmöglichkeiten von landwirtschaftlichen
Produkten. Es spricht nichts dagegen, Weizen auch
anderweitig zu verwerten, sagt Franz Vielhuber,
Referent für Energie und nachwachsende Rohstoffe.
Zustimmung kommt auch aus dem Landwirtschaftsministerium.
Pressesprecher Alfons Kraus sieht kein grundsätzliches
Problem darin, mit Weizen zu Heizen. Wirtschaftlich
rentabel sei es in jedem Fall.